Zahlreiche Fluggäste, Urlauber, Pauschalreisende standen in den letzten Wochen vor dem Problem, dass ihre Flüge gestrichen waren. Dadurch sind teilweise erhebliche Schäden entstanden, etwa weil durch die Verzögerung Hotelkosten angefallen sind und erheblich teurere Flugtickets

gesondert gekauft werden mussten.

 

Teilweise wurde von Urlaubern berichtet, das Airlines für den Rückflug nach Aufhebung des Flugverbots plötzlich bis zu 10fach höhere Preise verlangt haben weil nur noch Tickets für die Business Class verkauft wurden.

Betroffene sollten sich hier informieren, ob die entsandenen Mehrkosten als Schaden geltend gemacht werden können oder ob eine Rückforderung überhöhter Kaufpreis möglich ist.

In rechtlicher Hinsicht gilt hier Folgendes:

Die Rech­te von Flug­pas­sa­gie­ren bei Flug­aus­fäl­len sind in der Flug­gast­rech­te-Ver­ord­nung der EU (Nr. 261/2004) ge­re­gelt; bei Pau­schal­rei­sen sind da­ne­ben auch die rei­se­recht­li­chen Be­stim­mun­gen im Bür­ger­li­chen Ge­setz­buch (§§ 651a ff.) zu be­ach­ten.

Die Flug­gast­rech­te-Ver­ord­nung fin­det An­wen­dung, wenn der Flug von einer deut­schen Flug­ge­sell­schaft oder einer Flug­ge­sell­schaft eines an­de­ren EU-Staa­tes durch­ge­führt wird. Hat die Flug­ge­sell­schaft ihren Sitz au­ßer­halb der EU, gilt die Flug­gast­rech­te-Ver­ord­nung immer dann, wenn sich der Ab­flug­ort in­ner­halb der EU be­fin­det.

Hat der Flug­pas­sa­gier keine Pau­schal­rei­se ge­bucht, son­dern das Flug­ti­cket ein­zeln er­wor­ben, so ist sein An­sprech­part­ner die Flug­ge­sell­schaft, die den Flug aus­führt.

Bei einem Flug­aus­fall auf­grund der Luft­raumsper­rung wegen Vul­ka­na­sche hat der Flug­gast die Wahl, ob er von der aus­füh­ren­den Flug­ge­sell­schaft den Flug­preis zu­rück­er­stat­tet haben möch­te oder ob er eine kos­ten­lo­se Um­bu­chung auf einen spä­te­ren Flug wünscht (sog. „an­der­wei­ti­ge Be­för­de­rung“).

Da­ne­ben hat der Flug­gast An­spruch auf fol­gen­de sog. „Be­treu­ungs­leis­tun­gen“: Ver­pfle­gung, zwei kos­ten­lo­se Te­le­fo­na­te (bzw. Te­le­fa­xe oder E-Mails) sowie, falls not­wen­dig, auch eine Ho­tel­un­ter­brin­gung. Im Fall einer not­wen­di­gen Ho­tel­un­ter­brin­gung ist die Flug­ge­sell­schaft auch für den Trans­fer vom Flug­ha­fen zum Hotel ver­ant­wort­lich.

Ein An­spruch auf eine zu­sätz­li­che Aus­gleichs­zah­lung, der einem Flug­pas­sa­gier im All­ge­mei­nen bei einer An­nul­lie­rung zu­ste­hen würde, be­steht nicht, da die Luft­raumsper­rung wegen Vul­ka­na­sche einen sog. „au­ßer­ge­wöhn­li­chen Um­stand“ dar­stellt, für den die Flug­ge­sell­schaft nicht ver­ant­wort­lich ist.

Da die Flug­ge­sell­schaft an dem Flug­aus­fall kein Ver­schul­den trifft, kön­nen auch sons­ti­ge Schä­den (z.B. auf­grund eines ver­säum­ten Ge­schäfts­ter­mins) nicht er­setzt ver­langt wer­den.

Wenn der an­nul­lier­te Flug Be­stand­teil einer Pau­schal­rei­se ist, kann es Rech­te ge­gen­über dem Rei­se­ver­an­stal­ter und Rech­te ge­gen­über dem Flug­un­ter­neh­men geben.

Wenn bei einer Pauschalreise der Rückflug ausfällt gilt:

Wird der Rück­flug wegen der Vul­ka­na­sche an­nul­liert, kön­nen Rei­se­ver­an­stal­ter und Kunde eben­falls wegen hö­he­rer Ge­walt kün­di­gen. Der Rei­se­ver­an­stal­ter bleibt je­doch ver­pflich­tet, den Rei­sen­den zu­rück­zu­be­för­dern. Wird die vom Rei­se­ver­an­stal­ter or­ga­ni­sier­te an­de­re Rück­be­för­de­rung teu­rer als der ur­sprüng­li­che Flug, müs­sen sich Rei­se­ver­an­stal­ter und Kunde die Mehr­kos­ten tei­len. Häu­fig ist al­ler­dings die Flug­ge­sell­schaft ver­pflich­tet, den Rück­flug kos­ten­neu­tral um­zu­bu­chen (s.u.), so dass für den Rück­trans­port keine Mehr­kos­ten ent­ste­hen. Wei­te­re Mehr­kos­ten – etwa Über­nach­tungs­kos­ten – trägt der Kunde im Ver­hält­nis zum Rei­se­ver­an­stal­ter selbst. Auch hier kann es je­doch An­sprü­che gegen die Flug­ge­sell­schaft geben (s.u.).

Kün­digt der Rei­se­ver­an­stal­ter trotz des an­nul­lier­ten Rück­flugs nicht, bleibt er in der Pflicht zur voll­stän­di­gen Er­fül­lung des Ver­tra­ges. Er muss den Rei­sen­den so­bald als mög­lich zu­rück­be­för­dern. Fal­len da­durch Mehr­kos­ten an, etwa für wei­te­re Über­nach­tun­gen oder einen teu­re­ren Rück­trans­port als den ver­ein­bar­ten Flug, sind diese vom Rei­se­ver­an­stal­ter zu tra­gen. Einen Rück­trans­port, der un­ver­hält­nis­mä­ßig teu­rer ist als der an­nul­lier­te Flug, kann der Rei­sen­de je­doch nicht ver­lan­gen. Ver­schiebt sich der Rück­trans­port er­heb­lich, liegt ein Rei­se­man­gel vor, der den Rei­sen­den be­rech­ti­gen kann, eine an­tei­li­ge Rück­erstat­tung des Rei­se­prei­ses zu ver­lan­gen.

Auch gegenüber der Fluggesellschaft kann der Pauschalreisende Rechte geltend machen:

Wie beim Nur-Flug kön­nen Flug­gäs­te auch dann ge­gen­über der Flug­ge­sell­schaft An­sprü­che aus der EU-Flug­gast­rech­te-Ver­ord­nung haben, wenn der Flug Be­stand­teil einer Pau­schal­rei­se ist. Es gel­ten je­doch ei­ni­ge Be­son­der­hei­ten: Auch beim Aus­fall von Flü­gen, die im Rah­men einer Pau­schal­rei­se ge­bucht wur­den, kann eine kos­ten­lo­se Um­bu­chung des Flu­ges ver­langt wer­den. Eine Er­stat­tung des Flug­prei­ses kann in die­sem Fall von der aus­füh­ren­den Flug­ge­sell­schaft da­ge­gen nicht ge­for­dert wer­den, da hier die oben ge­nann­ten An­sprü­che gegen den Rei­se­ver­an­stal­ter vor­ran­gig sind.

Im Üb­ri­gen haben auch Pau­schal­rei­sen­de An­spruch auf die oben dar­ge­stell­ten Be­treu­ungs­leis­tun­gen nach der Flug­gast­rech­te-Ver­ord­nung.

Fin­det die Flug­gast­rech­te-Ver­ord­nung nicht An­wen­dung, weil der an­nul­lier­te Rück­flug von einem Ab­flug­ort au­ßer­halb Eu­ro­pas aus star­ten soll­te und auch die aus­füh­ren­de Flug­ge­sell­schaft ihren Sitz au­ßer­halb der EU hat, so kann der Rei­sen­de auf seine Rech­te ge­gen­über dem Rei­se­ver­an­stal­ter zu­rück­grei­fen (s.o.).