Im zugrundeliegenden Sachverhalt hatte der Angeklagte eine israelische Studentin aus ihrem Studentenwohnheim entführt und sie in seine zu einer Art Gefängnis umgebaute Wohnung verbracht. Mit einem Sprung aus dem Fenster gelang dem Opfer die Flucht.

Das Landgericht Hamburg hatte eine Fernsehberichterstattung wegen des überwiegenden Persönlichkeitsrechts des Angeklagten fast vollständig untersagt.

Das Bundesverfassungsgericht kam bei seiner Abwägung zum gegenteiligen Ergebnis.

Nach Ansicht des Gerichts ist bei der Gewichtung der Nachteile in Bezug auf die Rundfunkfreiheit nicht nur die Schwere der Tat ausschlaggebend, sondern auch das öffentliche Interesse an der Berichterstattung.

Die zu erwartenden Nachteile für das Persönlichkeitsrecht des Angeklagten wiegen jedoch nicht so schwer, dass sie eine absolute Beschränkung der Bildberichterstattung rechtfertigen, insbesondere da der Täter die Tat gestanden hat.

(BVerfG, Beschluss vom 30.03.12 – 1 BvR 711/12)